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Von der Textkrise zur Veröffentlichung: Mein Text in sfd& angst der Schule für Dichtung

  • tinapfeifer
  • 10. Nov.
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Nov.

Lesung in der Schule für Dichtung
Lesung mit und über Angst, (c) Schule für Dichtung Wien

Über Angst, Verzweiflung und Hoffnung - ein ganz normaler Schreibprozess (?)

Es war irgendwann im Mai, als ich von einem Wettbewerb zum Thema Angst las. Ausgeschrieben von der Schule für Dichtung. Und ich dachte zunächst, das Thema Angst wäre dankbar. Ist ja ein Gefühl, das jede:r kennt, das ständig irgendwo mitschwingt – easy. (Rückblickend: an diesem Punkt hätte ich schon skeptisch werden müssen.)


Tatsächlich hatte ich sehr schnell einen ersten Entwurf, in dem ich Potenzial witterte. In den folgenden Wochen schraubte ich an Sätzen herum, führte Zwiegespräche mit meiner Tastatur, ließ den Text liegen, nahm ihn wieder her, war kurz zufrieden und fünf Minuten später wieder nicht – bis ich irgendwann dann endlich eine Version hatte, die ich richtig gut fand. Und dann kam, was kommen musste: Zwei Tage vor Abgabe las ich ihn nochmal zur Kontrolle – die Erkenntnis traf mich wie ein nasser Waschlappen: Das ist komplett am Thema vorbei!

Panikmodus: ON.

Ich wollte doch so gerne etwas einreichen!


Aufstehen, Textkrise überwinden - und Festplatte durchsuchen

Hektisch klickte ich mich durch meine Textdateien, als stünde das Haus in Flammen. Und da war er: ein Text, den ich noch nie jemandem gezeigt hatte, weil er mir damals „zu arg“ vorkam. Zu roh. Zu intensiv. Aber jetzt … passte er. Er traf das Thema punktgenau. Also schickte ich ihn ab – mit dem Gefühl, gerade etwas sehr Mutiges oder sehr Dummes getan zu haben. Aber: Was soll schon passieren?, dachte ich.


Und dann passierte: nichts.Wochen. Monate. Ich hatte das Ganze schon abgehakt. Bis mich im Oktober ein E-Mail in der Straßenbahn erreichte: Mein Text wird gedruckt! Er wurde tatsächlich ausgewählt – von einer Jury, die aus Menschen bestand, die ich bewundere. Unter anderem aus der Kulturjournalistin Barbara Beer, der Schriftstellerin Sophie Reyer und dem Comiczeichner Nicolas Mahler – dessen Bücher ich so gut wie alle gelesen habe. Die Frau, die neben mir in der Straßenbahn saß, wundert sich wahrscheinlich immer noch, wie jemand so lautstark nach Luft schnappen kann.


Lesung in der Schule für Dichtung - oder: Angst, ein omnipräsentes Thema

Wenige Wochen später betrat ich die Schule für Dichtung – meine Knie fühlten sich an, als würden sie gerade einen Streik organisieren. Zum Glück gab es Ablenkung: Im Vorraum war die Vernissage der „Klasse für Comiczeichnen“ von Simone F. Baumann – großartige Ablenkung. Überall Farben, Striche, Humor, Mut. Und dann begrüßte mich Nicolas Mahler persönlich. Ich hatte sogar eines seiner Bücher in der Tasche – fest entschlossen, ihn um eine Signatur zu bitten. Aber – ich habe mich nicht getraut. Natürlich nicht. Man muss ja konsequent sein, wenn man schon beim Thema Angst ist.


sfd& angst der Schule für Dichtung
sfd& angst der Schule für Dichtung

Als die Veranstaltung begann, war der Raum so voll, dass Leute sogar im Nebenraum standen. Fünf Texte aus sfd& angst wurden gelesen – jeder davon ein kleines Meisterwerk. Ich saß da, hörte zu, staunte und dachte: Wow. Was für Talente. Und ich bin… Teil davon? Und ja, da war er: ein kleines Häufchen Stolz, das vorsichtig anklopfte. Aber noch viel lauter war die Stimme, die sagte: Das muss doch ein Irrtum sein. Die Angst reagierte sofort – und wuchs. Ich rief mir die Begrüßungsworte von Nicolas Mahler ins Gedächtnis: Mein Text wurde aus beinahe 300 Einsendungen ausgewählt. Von mehreren Personen. Das ist kein Irrtum. Ich darf hier sitzen. Durchatmen. Und dann: lesen. Allerdings: Um zwischendurch mal aufzusehen, dafür reichte der Mut nicht … (Das wird die Challenge für die nächste Lesung!) Als der Applaus erklang, riss das Häufchen Stolz die Tür auf – und durfte da auch mal kurz ungestört stehenbleiben.


Noch mehr Angst - und dann ...

Danach präsentierte die Comic-Klasse von Simone F. Baumann ihre Werke. Das Thema hieß „ängstlICH“ – persönlicher geht’s kaum. Verschiedene Erfahrungen und Betrachtungsweisen zum Thema Angst, gegossen in wundervolle Zeichnungen und originelle Texte. Ich habe geschluckt, gestaunt – und von Herzen gelacht. Ich weiß jedenfalls, was ich mir wünsche, sollte die berühmt-berüchtigte gute Fee eines Tages doch noch vor mir stehen: Zeichentalent, bitte!


Nach Hause ging ich mit dem Gefühl, Teil von etwas Besonderem gewesen zu sein.Mit einem gedruckten Text in der Tasche.Mit ein bisschen Stolz.Mit ganz viel Inspiration.Und dem festen Vorsatz: Beim nächsten Mal traue ich mich nach einer Signatur zu fragen.

Vielleicht.


Ein großes Danke an die Schule für Dichtung für den großartigen Abend und die Fotos!


Mehr über mein Leben als Schriftstellerin erfährst du hier, auf meinem Instagram-Account – oder demnächst genau hier, in einem neuen Blogartikel. Deine Tina

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